Westfälisch-Lippischer Kammertag der Steuerberater - Präsident Kaiser im Amt bestätigt

Steuerberater Volker Kaiser ist von der Mitgliederversammlung im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland für weitere vier Jahre zum Präsidenten der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe gewählt worden. (Foto-Portrait Nr. 2)

Der 59-jährige Mann an der Spitze der Kammer gehört seit 1999 dem Vorstand an und ist seit 2003 Mitglied des Präsidiums. Er engagiert sich schwerpunktmäßig in der Fortentwicklung des steuerberatenden Berufs. Insbesondere liegt ihm die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter am Herzen.

Kaiser führt eine eigene Steuerberater-Kanzlei in Soest und ist Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer. Dort engagiert er sich international - etwa als amtierender Vizepräsident der größten Organisation der steuerberatenden Berufe „ETAF“ in Brüssel.

„Steuerberater leisten einen gesellschaftlichen Beitrag als Organ der Steuerrechtspflege. Wir unterstützen alle sinnvollen und gezielten Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Finanzkriminalität.“, so Kaiser in seiner Ansprache. Steuerhinterziehung sei in hohem Maße gemeinwohlschädlich und müsse verfolgt werden.

„Gleichzeitig ist es aber nicht zielführend eine Berufsgruppe, die maßgeblich zur Sicherung des Steueraufkommens beiträgt, unter Generalverdacht zu stellen, wie zuletzt im TAX3-Ausschuss des Europäischen Parlaments.“

Der Steuerberater genieße eine besondere Vertrauensstellung bei seinen Mandanten und unterliege einer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht, die bewahrt werden müsse. Hierfür setzt sich Kaiser auch im Rahmen seiner Vizepräsidentschaft des Bundesverbands Freier Berufe als Vertreter aller Intermediäre ein.

In seiner vierten Amtszeit will sich der Diplom-Betriebswirt weiterhin „mit aller Kraft für die Gesamtheit der rund 8.550 Kammermitglieder in Westfalen-Lippe einsetzen.“ Übergeordnetes Ziel sei es, den Paragrafendschungel der Steuergesetze zu lichten und eine Vereinfachung des Steuerrechts zu erreichen. Kaiser dankte den anwesenden Berufskolleginnen und -kollegen für das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Großen Beifall erhielt auch Gastredner Professor Hans-Jürgen Papier (Foto-Portrait Nr. 1), ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Der vom Handelsblatt jüngst als gefragter „aktueller Deuter der Verfassung und Mahner der Politik“ betitelte Papier stellte in seinem Vortrag unter dem Titel „Europa nach den Wahlen“ die Frage, welche Gestalt die EU künftig haben solle.

Der Ruf nach „mehr Europa“ stoße verbreitet auf zunehmende Europa-Skepsis. Begründet sieht Papier dies u. a. darin, dass in der Bevölkerung der EU-Mitgliedstaaten der Eindruck vorherrsche, es werde eine Politik von Eliten für Eliten ohne Augenmerk auf die regionalen und nationalen Besonderheiten und Befindlichkeiten betrieben, die ihre Basis, nämlich ihre Bevölkerung in den Mitgliedsstaaten, weitestgehend verloren habe.

Papier sieht nicht den permanenten Ausbau der EU, sondern ihren sinnvollen Umbau als politisches Ziel. Sein Fazit: „Es gilt mit Nachdruck der These entgegen zu treten, es gäbe nur noch entweder mehr Europa und letztlich Ausbau zum europäischen Bundesstaat oder den völligen Zerfall der Union.“ Vielmehr habe die EU die nationale Identität ihrer Mitgliedstaaten zu achten.

„In pluribus unum“, so Prof. Papier, „sollte nach dem europäischen Verfassungvertrag, der dann letztlich scheiterte, der Leitspruch der EU sein. Und genau so, „in Vielfalt geeint“ stellt sich der Verfassungsrechtler die Zukunft Europas vor. Denn: „Demokratie, also Selbstbestimmung des Volkes, setzt souveräne Staatlichkeit voraus.“, erklärte Papier.

Im Anschluss an die Kammerversammlung fand die konstituierende Sitzung des ebenfalls neu gewählten Vorstands statt. (Gruppenfoto)

Folgende Vorstandsmitglieder standen für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Sie wurden vom Kammerpräsidenten mit der Kammermünze in Gold ausgezeichnet:

Dipl.-Kfm. Dr. Margit Lass
Steuerberaterin aus Münster

Dipl.-Kfm. Hans Happel
Steuerberater RB aus Lemgo

Westfälisch-Lippischer Kammertag der Steuerberater und  Kammerversammlung - Hintergrund

Die Gesamtheit aller Mitglieder bildet die Kammerversammlung als höchstes Beschlussorgan der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe. Sie wählt den Präsidenten und den Vorstand. Die Amtszeit beträgt vier Jahre.

Dem Kammervorstand, der seine Tätigkeit ehrenamtlich auszuüben hat, gehören neben dem Präsidenten 18 weitere Mitglieder der Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe an. Er leitet die Kammer als Kollegialorgan. Ihm obliegen gemäß § 12 der Satzung grundlegende Aufgaben, soweit sie nicht der Kammerversammlung vorbehalten sind.

Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen im Rahmen der Berufsaufsicht, die grundsätzliche Ausrichtung des Berufsstandes in Westfalen-Lippe im Bereich der Aus- und Fortbildung, die Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand sowie Entscheidungen über größere Investitionen. Seine Mitglieder setzen Beschlüsse der Kammerversammlung um, unterstützen Berufskollegen in Kontaktgesprächen mit den Finanzämtern und stehen auch im Übrigen bei Problemen mit Finanzämtern, Arbeitsagenturen und anderen Institutionen helfend zur Seite.

Schließlich sind einzelne Vorstandsmitglieder auch in Ausschüsse der Bundessteuerberaterkammer und andere überregionale Gremien entsandt, um dort das Wissen aus der Region einzubringen und für den gesamten Berufsstand im Bundesgebiet Lösungen mit zu erarbeiten.