Tätigkeit des Steuerberaters als Vorsorgebevollmächtigter

Die Tätigkeit des Steuerberaters auf der Grundlage einer Vorsorgevollmacht zählt – wie auch die Tätigkeit als Vormund, Pfleger oder Betreuer – zu den vereinbaren Tätigkeiten nach § 57 Abs. 3 Nr. 2 StBerG.

Anders als bei der Betreuung bedarf es für die Tätigkeit als Vorsorgebevollmächtigter keiner Bestellung durch das Gericht. Der Betroffene bestimmt durch die Vorsorgevollmacht selbst, wer seine Vertretung übernimmt, wenn er hierzu nicht mehr in der Lage ist. Der Umfang der Tätigkeit wird ebenfalls in der Vorsorgevollmacht festgelegt. Eine gerichtliche Überwachung findet nicht statt.

Steuerberater haben bei einer Tätigkeit als Vorsorgebevollmächtigter die Grenzen des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) zu beachten, wonach Rechtsdienstleistungen im Zusammenhang mit einer Geschäftsbesorgung nur als Nebenleistung erbracht werden dürfen (§ 5 Abs. 1 RDG). Eine darüber hinausgehende Tätigkeit ist nicht erlaubt.

Ob eine Nebenleistung vorliegt, beurteilt sich nach den folgenden Abgrenzungskriterien:

  • Inhalt und Umfang der Rechtsdienstleistung im Verhältnis zur Haupttätigkeit,
  • sachlicher Zusammenhang zwischen Rechtsdienst­leistung und Haupttätigkeit,
  • Bestehen von Rechtskenntnissen, die für die Tätig­keit als Steuerberater erforderlich sind (z. B. Kennt­nisse des Handels- und Gesellschaftsrechts).

Beachten Sie hierzu auch die Allgemeinen Hinweise der Bundessteuerberaterkammer für die Ausübung vereinba­rer Tätigkeiten; Ziffer 5.2.1 des berufsfachlichen Teils des berufsrechtlichen Handbuchs.

Der vom Steuerberater geltend zu machende Aufwen­dungsersatz und die Höhe der Vergütung richten sich nach der mit dem Mandanten getroffenen Vereinbarung und nicht nach den Vorschriften der Steuerberatervergütungs­verordnung (StBVV). Zur Vermeidung von Streitigkeiten über die Voraussetzungen und die Höhe des Vergütungs­anspruchs ist es daher ratsam, mit dem Mandanten im Vorfeld eine Vergütungsvereinbarung zu treffen.

Unbedingt zu beachten ist, dass nicht alle Haftpflicht­versicherer ein Tätigwerden aufgrund einer Vorsorgevoll­macht mitversichert haben. Vor Aufnahme der Tätigkeit empfiehlt es sich daher, die Versicherungspolice zu prü­fen bzw. Kontakt zum Versicherer aufzunehmen.

Weitere Informationen zur Thematik finden Sie in den Hinweisen der Bundessteuerberaterkammer für die Tätig­keit des Steuerberaters als Vormund, Pfleger oder Be­treuer; Ziffer 5.2.17 des berufsfachlichen Teils des Berufs­rechtlichen Handbuchs.